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HochhausBrandschutzkonzept

Hochhaus-Brandschutz: Was Bauherren ab 22 m Geschosshöhe wissen müssen

Hochhausrichtlinie, Sicherheitstreppenraum, Druckbelüftung und Feuerwehraufzug — die brandschutztechnischen Pflichten ab 22 m Höhe verständlich erklärt.

4 Min. Lesezeit

Sobald ein Gebäude die 22-Meter-Schwelle in der Geschosshöhe überschreitet, ändert sich die brandschutztechnische Welt fundamental. Aus einem klassischen Sonderbau wird ein Hochhaus, und damit gelten Anforderungen, die in Komplexität und Investitionsvolumen weit über das hinausgehen, was Bauherren oft erwartet haben. Dieser Artikel führt durch die zentralen Pflichten — pragmatisch, ohne juristisches Klein-Klein.

Die 22-m-Schwelle: Warum sie so entscheidend ist

Die Höhe des Fußbodens des höchstgelegenen Aufenthaltsraums über dem Mittelwert des angrenzenden Geländes bestimmt, ob ein Gebäude als Hochhaus gilt. Die Schwelle von 22 Metern ergibt sich aus der Reichweite klassischer Anleiterung der Feuerwehr — bis 22 m kann die Feuerwehr Personen über tragbare Leitern oder Drehleitern retten. Darüber muss das Gebäude die Rettung selbst gewährleisten.

Konkret: Ab 22 m gelten in den meisten Bundesländern die Hochhausrichtlinie (HHR oder M-HHR) und die jeweilige Landesbauordnung mit verschärften Anforderungen. Frankfurt, Berlin und München haben darüber hinaus eigene Hochhaus-Sondervorschriften.

Sicherheitstreppenraum: Das Herzstück

Der Sicherheitstreppenraum ist der zentrale Fluchtweg eines Hochhauses und muss so konzipiert sein, dass Rauch nicht eindringen kann. Drei Konzepte sind etabliert:

1. Sicherheitstreppenraum mit Vorraum (Klassiker): Vor dem Treppenraum liegt ein offener Vorraum (Loggia, offene Galerie), der den Rauchüberschlag verhindert. Robust, aber wettertechnisch problematisch in unseren Breiten.

2. Sicherheitstreppenraum mit Druckbelüftung (RDA-Anlage): Mechanische Anlage erzeugt im Treppenraum Überdruck (typisch 50 Pa). Bei geöffneter Tür Luftgeschwindigkeit ≥ 1 m/s nach außen. Sehr verbreitet, aber wartungsintensiv.

3. Außenliegender Treppenraum: Treppenraum offen zur Außenluft. Nur in mediterranen Klimaten gängig, in Deutschland selten.

Feuerwehraufzug ab 60 m

Ab einer Höhe von 60 Metern ist ein Feuerwehraufzug Pflicht. Die Anforderungen sind streng: separater Aufzugsschacht mit hoher Feuerwiderstandsdauer, Notstrom-Versorgung, Steuerung im Brandfall durch die Feuerwehr, Vorraum mit eigener Druckbelüftung. Die Investition: substanziell — typisch 200.000 bis 500.000 Euro je nach Hochhaus-Größe.

Brandmelde- und Sprinkleranlage

In Hochhäusern ist eine Brandmeldeanlage mit Aufschaltung zur Feuerwehr Pflicht. Die DIN 14675 regelt Planung, Errichtung und Wartung. Sprinkleranlagen sind typisch ab Hochhaus-Klasse 2 verpflichtend, in einigen Bundesländern auch früher.

Wichtig: BMA und Sprinkler müssen redundant ausgelegt sein — Stromausfall, Anlagentechnik-Defekt oder Feuerschaden an einer Komponente darf das System nicht außer Funktion setzen.

Brandabschnittsbildung

In Hochhäusern werden Brandabschnitte deutlich kleiner ausgelegt als in Regelbauten. Klassisch: ein Brandabschnitt pro Geschoss, in einzelnen Fällen sogar mehrere pro Geschoss. Die Brandabschnitt-Trennwände müssen Feuerwiderstandsdauer REI 90 oder REI 120 aufweisen — entsprechend dimensioniert mit Brandschutztüren T90 / T120.

Rettungswege

Zwei voneinander unabhängige Rettungswege sind immer Pflicht. Die Bemessung der Rettungsweg-Breiten basiert auf der maximalen Personenzahl im jeweiligen Geschoss. Für Hochhäuser mit hoher Personendichte (Bürohochhäuser, Hotels) entstehen schnell sehr breite Treppen — 2,40 m und mehr sind nicht ungewöhnlich.

Sicherheitsbeleuchtung und Notbeleuchtung

Pflicht in allen Fluchtwegen, Treppenräumen und Sammelpunkten. Mindestens 1 Stunde Akku-Laufzeit (DIN EN 1838). In Hochhäusern oft 3-Stunden-Auslegung üblich, verbunden mit zentraler Stromversorgungsanlage (CPS).

Was das in der Praxis kostet

Die brandschutztechnischen Mehrkosten gegenüber einem Regelbau gleicher Geschossfläche liegen typisch bei 8–15 % der Bausumme. Die größten Posten:

  • Sicherheitstreppenraum mit Druckbelüftung: 150–400 k€
  • Brandmelde- und Sprinkleranlage: 80–250 k€ je 1.000 m²
  • Feuerwehraufzug (ab 60 m): 200–500 k€
  • Sicherheitsbeleuchtung mit CPS: 30–80 k€
  • Brandschutzkonzept-Erstellung und Begleitung: 25–80 k€

Häufige Fehler in der Konzept-Phase

In der Beratungspraxis sehen wir wiederkehrend:

  1. Zu späte Einbindung des Brandschutz-Fachplaners — wenn die Architektur schon steht, sind Hochhaus-Anforderungen oft nur teuer nachzurüsten
  2. Unklare Hochhaus-Klassen-Einstufung — die HHR unterscheidet zwei Klassen mit teils stark unterschiedlichen Auflagen
  3. Sicherheits-Treppenraum-Konzept ohne realistische Druckluft-Auslegung — bei Inbetriebnahme funktioniert die RDA dann nicht
  4. Feuerwehr-Schnittstelle nicht früh abgestimmt — Vorabstimmung mit der lokalen Feuerwehr ist Pflicht und beschleunigt die Genehmigung erheblich
  5. Gebäude-Steuerung im Brandfall nicht durchdacht — Aufzug-Einsatzfahrt, BMZ-Steuerung, Druckbelüftung müssen koordiniert sein

Praxis-Tipp: Frühe Behördenabstimmung

Wir empfehlen bei Hochhaus-Projekten dreistufige Abstimmungen mit der lokalen Bauaufsicht und Brandschutzdienststelle:

  • Phase 1 (Entwurf): Konzept-Skizze besprechen, Hochhaus-Klassifizierung klären
  • Phase 2 (Bauantrag): Vollständiges Brandschutzkonzept zur Vorab-Prüfung
  • Phase 3 (Ausführung): Detail-Lösungen für RDA-Auslegung, Sprinkler-Hydrauliken, Steuerung

Diese Vorab-Abstimmung kostet etwa 20–40 zusätzliche Beratungs-Stunden — spart aber typisch 3–6 Monate Genehmigungszeit und verhindert teure Nachbesserungen.

Fazit

Hochhaus-Brandschutz ist eine eigene Disziplin innerhalb der Brandschutzplanung. Bauherren, die ein Hochhaus errichten, sollten von Anfang an einen erfahrenen Brandschutz-Fachplaner einbinden — idealerweise mit Hochhaus-Erfahrung und etabliertem Behörden-Kontakt. Die Investition in gute Konzept-Phase amortisiert sich vielfach durch beschleunigte Genehmigung und vermiedene Bau-Nachbesserungen.