Krankenhausalarm- und Einsatzplan (KAEP): Anforderungen 2026
Was § 27 IfSG, die Krankenhausgesetze der Länder und die Aufsichtsbehörden 2026 vom KAEP fordern – mit Gliederung, Übungs-Pflichten und häufigen Fehlern.
Der Krankenhausalarm- und Einsatzplan (KAEP) ist die strukturierte schriftliche Antwort auf die Frage: "Was tun wir, wenn etwas Außerordentliches passiert?" Pandemielage, Massenanfall von Verletzten, Brand, Bombendrohung, Cyber-Angriff, Stromausfall – ein moderner KAEP deckt all das ab. 2026 sind die Anforderungen schärfer geworden. Dieser Artikel zeigt, was Krankenhäuser jetzt prüfen sollten.
Rechtliche Grundlage
Der KAEP ist gleich mehrfach gesetzlich verankert:
- § 27 IfSG (Infektionsschutzgesetz) — Vorbereitung auf bedrohliche Lagen
- Krankenhausgesetze der Länder (z.B. § 28 LKHG SH) — Pflicht zum Alarm- und Einsatzplan
- DIN 13050 — Begriffsbestimmungen Rettungswesen
- Empfehlungen RKI für Hochpathogene-Erreger-Lagen
- DGUV-Vorschriften für Beschäftigte
Bei Aufsichts-Begehungen prüfen Behörden mittlerweile sowohl Existenz als auch Aktualität und praktische Wirksamkeit des Plans.
Grobgliederung eines modernen KAEP
Ein zeitgemäßer Plan deckt mindestens diese Bereiche ab:
1. Allgemeiner Teil
- Geltungsbereich und Verbindlichkeit
- Begriffsbestimmungen
- Zuständigkeiten (Klinikdirektor, Ärztlicher Direktor, Pflegedirektion, Krisenstab)
- Aktualisierungs- und Übungs-Verpflichtung
2. Alarmstufen und Auslöse-Kriterien
- Stufen (intern / extern, je nach Schadenslage)
- Definition: wann welche Stufe greift
- Eskalations-Schwellen (z.B. ab 10 Patienten externer MANV)
- Verkürzte Anrufkette / Sofort-Maßnahmen
3. Krisenstab und Führungsorganisation
- Funktionsträger (Stabsleitung, Lage, Einsatz, Logistik, Verwaltung, Presse)
- Stellvertreter-Regelung
- Rufbereitschaft und Aktivierung
- Tagungs-Lokalität (mit alternativem Backup-Raum)
4. Spezielle Schadenslagen
Für jeden plausiblen Fall ein eigenes Kapitel:
- Brand und Evakuierung
- Massenanfall von Verletzten (MANV)
- Hochpathogene Erreger / Pandemielage
- CBRN-Lage (Chemisch, Biologisch, Radiologisch, Nuklear)
- Bedrohungslage (Bombendrohung, Amok)
- Cyber-Angriff / IT-Ausfall
- Strom- oder Wasserausfall
- Personalausfall (Pandemie-Effekt)
5. Externe Schnittstellen
- Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, Katastrophenschutz
- Gesundheitsamt, Aufsichtsbehörde
- Nachbar-Krankenhäuser (Patienten-Verlegung)
6. Übungs- und Schulungsplan
- Stabsübungen (mind. 1× jährlich)
- Funktionsübungen (verschiedene Szenarien rotierend)
- Vollübungen mit externen Kräften (alle 2–3 Jahre)
- Schulungs-Plan für neue Mitarbeiter
7. Anlagen
- Telefonlisten (intern + extern)
- Lagepläne und Sammelpunkte
- Material-Verzeichnis (Notfall-Vorräte)
- Vorlagen (Checklisten, Formulare, Kommunikations-Templates)
Häufige Fehler in KAEPs
In unserer Beratungspraxis sehen wir wiederkehrend dieselben Schwachstellen:
- Plan veraltet: Stand 2018, Personal-Listen mit ehemaligen Mitarbeitern, geänderte Räume nicht aktualisiert.
- Keine Übungen durchgeführt: Plan existiert, wurde aber nie praktisch erprobt.
- Nur eine Lage abgedeckt (oft nur Brand): MANV, IT-Ausfall, Cyber-Angriff fehlen komplett.
- Stab ohne Stellvertreter: Funktioniert nicht, wenn die Schlüsselperson selbst betroffen ist.
- Kein Cyber-Kapitel: 2026 nicht mehr akzeptabel — Klinik-IT ist ein primäres Angriffsziel.
- Kommunikation nicht geprobt: Alarm-Kette läuft nur auf dem Papier, nicht real.
Was sind die wichtigsten Pflichten 2026?
Drei Punkte, die Aufsichtsbehörden 2026 besonders prüfen:
Pflicht 1: Aktualisierung mindestens jährlich
Kein 5-Jahres-Plan akzeptiert. Personal-Wechsel, bauliche Veränderungen und Lessons Learned aus Übungen müssen zeitnah eingearbeitet werden.
Pflicht 2: Mindestens eine Übung pro Jahr (Stabs- oder Funktionsübung)
Theorie reicht nicht. Schriftliche Übungs-Berichte müssen vorgelegt werden können.
Pflicht 3: Cyber-Lage explizit behandeln
Die Anforderungen aus dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) und NIS-2-Richtlinie machen Cybersicherheit zu einem Pflicht-Bestandteil des KAEP.
Praktischer Tipp: Beginnen Sie mit Stabsübungen
Wenn Ihr KAEP ein Update braucht, starten Sie mit einer Stabsübung. Sie können in 4 Stunden viele Schwachstellen aufdecken, ohne den Klinik-Betrieb zu beeinträchtigen. Die Erkenntnisse fließen direkt in die Plan-Aktualisierung ein.
Wir bieten begleitete Stabsübungen mit anschließender Plan-Überarbeitung als Festpreis-Paket an. Sprechen Sie uns an, wenn Sie 2026 einen neuen oder aktualisierten KAEP brauchen.